Individuelles Lernen durch offene Unterrichtsformen

Da Kinder nicht alle zum gleichen Zeitpunkt und im gleichen Zeitraum gleiche Leistungen erbringen können, orientiert sich das Kollegium der Heinrich-Lübke-Schule am Prinzip der inneren Differenzierung und praktiziert verschiedene Formen offenen Unterrichts, die individualisierendes Arbeiten unterstützt. Deshalb werden je nach Lerngruppe und Thematik unterschiedliche Formen von offenem Unterricht angeboten: Projektarbeit, Freie Arbeit, Arbeit mit dem Tages- oder Wochenplan, Werkstattunterricht, Lernen an Stationen. Besonders berücksichtigt werden bei den verschiedenen offenen Unterrichtsformen, Prinzipien wie Lernen mit allen Sinnen, handlungsorientierter Unterricht, Orientierung an der Lebenswirklichkeit der Kinder oder fächerübergreifendes Arbeiten.

Beim Lernen an Stationen wird Kindern an verschiedenen Standorten ein breites Lernangebot bereitgestellt. Die meistens thematisch gebundenen Materialien sollten dem Kind selbstständiges Lernen ermöglichen. Die Kinder bearbeiten die unterschiedlichen Arbeitsangebote. Je nachdem wie die Lernsituation es erfordert, können eine Vielzahl unterschiedlicher Arten des Stationenbetriebs angeboten werden (z.B. gruppenweises oder individuelles Vorgehen, Partnerarbeit oder Einzelarbeit, festgelegte oder nicht festgelegte Reihenfolge der Stationen, zeitlich gebundener oder ungebundener Betrieb). Dabei werden bei den verschiedenen Stationen unterschiedliche Lernkanäle angesprochen.

Bei der Tages- bzw. Wochenplanarbeit legt die Lehrperson in einem Arbeitsplan Aufgaben aus den verschiedenen Fächern fest. Der Plan enthält Pflichtaufgaben, die im Laufe eines Tages oder einer Woche zu bearbeiten sind und Wahlaufgaben, die Aktivitäten in freier Wahl ermöglichen. Da ein Tages- oder Wochenplan von der Lehrperson für jedes Kind individuell aufgestellt werden kann, bietet diese Arbeitsform zahlreiche Differenzierungsmöglichkeiten. So kann ein Teil eines gemeinsamen Themas auf unterschiedlichem Niveau (in Qualität und Quantität) von den Kindern erarbeitet werden. Überforderung und Unterforderung können damit vermieden werden. Auf dem Plan werden die vollbrachten Arbeiten und die Kontrolle dieser (Selbst- und Partnerkontrolle, Kontrolle durch die Lehrperson) dokumentiert. Bei der Arbeit mit dem Tages- oder Wochenplan lernen die Kinder in besonderem Maße, ihr Lernen zu organisieren und ihre Arbeitszeit einzuteilen.

Freie Arbeit bietet viel Raum für individuelles Lernen und fördert die Kompetenz der Kinder, selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. Dabei werden vielseitige Fähigkeiten erworben: Fähigkeit zur Partner- und Gruppenarbeit, Selbstkontrolle, Partnerkontrolle, zielorientiertes Lernen, Selbsteinschätzung, Interessen und eigene Ziele entdecken.
Der Heinrich-Lübke-Schule ist es ein Anliegen, diese Form des offenen Unterrichts in den Klassenunterricht zu integrieren. Das angeschaffte Material und selbst hergestellte ermöglicht schon manchen Klassen die Umsetzung der Freien Arbeit.

Im Werkstattunterricht wird von der Lehrperson eine Lernumgebung mit verschiedenen Arbeitsangeboten zu einem oder mehreren Themen geschaffen. Die Kinder erhalten einen Übersichtsplan für das Gesamtangebot und für die geleistete Arbeit. Ein besonderes Merkmal des Werkstattunterrichts ist das Chefsystem: Jedes Kind ist Chef von einem der Arbeitsangebote. D.h., es ist dafür verantwortlich, anderen Kindern bei der Bearbeitung seines Angebots zu helfen und ggf. die Arbeitsmaterialien zu verwalten (z.B. bei Versuchen). Die abschließenden Reflexionsgespräche bieten Anlass zu Gesprächen über den jeweiligen Sachverhalt innerhalb der Lerngruppe.
Werkstattunterricht wirkt sich positiv auf die Bereiche der Selbstkompetenz (selbstgesteuertes Lernen), Sachkompetenz (neue Verfahren kennen lernen und erproben; Chefsystem) und Sozialkompetenz (Verantwortung übernehmen…) aus.

Der projektorientierte Unterricht unterscheidet sich vom Werkstattunterricht im wesentlichen dadurch, dass die Schüler an der Planung beteiligt werden und dass am Ende der Arbeit die Ergebnisse veröffentlicht bzw. dokumentiert werden z.B. in Form einer Ausstellung.
An unserer Schule werden klasseninterne und gesamtschulische Projektarbeiten durchgeführt. Einmal im Schuljahr findet eine Projektwoche für die ganze Schule unter einem übergeordneten Thema statt. Hierbei kann auch in jahrgangsgemischten Gruppen an einem fächerübergreifenden Inhalt gearbeitet werden. So profitieren jüngere von älteren Kindern und umgekehrt. Es bieten sich zahlreiche individuelle Arbeitsmöglichkeiten an, die zu einem gemeinsamen Ergebnis zusammengefügt werden können. Im Rahmen eines dieser Projekte wurde z.B. das Thema Europa erarbeitet. Anschließend wurden Eltern und Interessierten das Ergebnis in einer Ausstellung und durch Aufführungen der Kinder präsentiert.
Für klasseninterne Projekte eignen sich besonders sachunterrichtliche Themen, deren Resultate Kindern anderer Klassen zugänglich gemacht werden.

Bei der Arbeit innerhalb dieser Unterrichtsformen lernt der Schüler, Schritt für Schritt selbsttätig und selbstständig zu werden, Verantwortung für seine Arbeit zu übernehmen und seinen eigenen Lernweg zu finden.

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